english

 

Documentary Cinema, 2007, 85 min, 35mm, Germany

 

Everyone sees in them only criminals, and forgets that they are children. Children who never had a childhood.

Some of the inmates we meet are serving time for theft, some for murder - but filmmaker Alexandra Westmeier lets us spend enough time with them to see beyond their ‘hard man’ exteriors to the scared boys within. She also provides glimpses of their home lives, and we begin to realise that, for these children, prison is often an easier place to be.

Inmates in a Russian prison display their tattoos for the camera. “This tattoo means ‘alone among friends’, this one is ‘alone in four walls’ and this star is ‘I’ll never fall on my knees in front of a cop’,” says one. Another has markings signifying “lover of money” and “tears of my mother”. Their pride in these permanent reminders of their criminal pasts is somewhat chilling when we learn that these are mere boys, between 11 and 14 years old, and when we cut to Lyosha, a newly-arrived 13-year-old weeping because he didn’t even have a chance to say goodbye to his mother.

Alexandra Westmeier‘s absorbing and beautifully shot film spends time with these boys, inmates at a reform school. They talk about their crimes, some boastfully, others regretfully, and some with a defeated matter-of-factness that reveals how little choice they feel they have had in their lives. We observe their daily routines, watch them learn, work and play. We hear them speak candidly of home, which was in many cases chaotic and violent, and we see for ourselves the kind of environment in which some of them grew up, having to cope with poverty, alcoholism and abuse. And we see that this place, with its structure and discipline, its security and relative normality, may just offer them an escape into a more hopeful future.

Westmeier returns again and again to one boy in particular, Tolya, who has been sentenced to two years for murdering another boy with a friend. He is intelligent, nonchalant, inscrutable. We hear his account of what happened, and that of his co-accused, which differs in significant details. But Westmeier’s restrained and determinedly non-judgemental direction offers us no clue as to whose story she believes. Instead, she gives us glimpses of the children behind the bravado, reminding us that all involved were victims in some way.

 


deutsch

Dokumentarfilm, 2007, 85 min, 35mm, Deutschland

Man sieht in ihnen Straftäter und vergisst dabei, dass sie Kinder sind, die nie eine Kindheit hatten.

Ein Teenager steht vor der Klasse und erklärt, warum Schwarz seine Lieblingsfarbe ist. Wenn man schwarz trägt, sagt er, ist es einfacher, schnell und unerkannt in dunkle Ecken zu schlüpfen, außerdem verdeckt es den Schmutz auf der Kleidung.

Das ist nur eine von vielen Szenen aus Alexandra Westmeiers zu Herzen gehender Dokumentation über heranwachsende Jungendliche, die in einer russischen Strafanstalt inhaftiert sind. Mit ihrer unaufdringlichen Kameraführung beobachtet sie die Jungen, wie sie still und in klaren Stuhlreihen angeordnet im Klassenzimmer sitzen und lernen, wie man eine Gasmaske benutzt; man sieht sie beim Bettenmachen, beim Wischen des Flurs, beim Holzsägen. Dazwischen schalten sich Interviewpassagen, in denen die Jungen von ihrem Leben zu Hause erzählen und von den Vergehen, wegen derer sie hinter Gittern sitzen.

Manche reden von Alkoholismus, von Schlägereien, von Diebstahl und von grausigen Morden; sie erzählen davon mit tonloser, indifferenter Stimme. Andere weinen aus Heimweh, ihnen fehlt der gutmütige, aber abwesende Stiefvater, die nachlässige Großmutter, die vergisst zu schreiben. Ein atemberaubender Film mit einem feinen Gespür für Farben und Bildkomposition, der den Jungen eine Ausdrucksfreiheit erlaubt, die sie vorher nie hatten und vielleicht auch nie wieder erfahren werden.

Tscheljabinsk im Ural. In einem Heim für jugendliche Straftäter sitzen 120 Jungs zwischen 11 und 16 Jahren ein. Sie sind ausgerissen, haben geklaut, geschlagen,

getötet. Zum Zeitpunkt ihrer Straftaten waren die Knaben jünger als 14 Jahre. Die Jungen, die in dieser geschlossenen Anstalt im Ural einsitzen, erlebten bereits viele Schattenseiten des Lebens. Sie wuchsen am Rande der russischen Gesellschaft auf, in einem Milieu, das von Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Gewalt und Verwahrlosung geprägt ist. Sie begingen Verbrechen, die von Diebstahl über Vergewaltigung bis hin zu mehrfachem Mord reichen. Trotz ihrer scheinbar lakonischen Schilderungen ihrer Taten und ihrem coolen Gehabe, gibt es immer wieder Augenblicke, in denen das Kind in ihnen durchscheint. Ljoscha, ein Dieb, ist gerade neu eingewiesen. Er konnte sich nicht einmal bei seiner Mutter verabschieden. Unter Tränen gewöhnt er sich an seine neue Umgebung. Tolja, ein Mörder, steht kurz vor seiner Entlassung. Sein Dorf, in das er zurückkommt, gibt ihm keine Chance. "Töten sollte man dieses Kind".

In dieser geschlossenen Anstalt erhalten sie Essen und Kleidung, sie gehen zur Schule und machen Sport. Das Leben hinter Gittern scheint besser zu sein als die Freiheit draußen. Sie müssen nicht ums Überleben kämpfen, haben eine Heimstätte und Geborgenheit auf Zeit, zwei Jahre oder länger, gefunden. Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben können sie einfach das sein, was sie sind – Kinder.